„Shin-jin-no-mei“.  Vom Glauben an den Geist!

„Shin-jin-no-mei“. Vom Glauben an den Geist!

Das Shin-Jin-No-Mei (chin. Xinxin Ming), die Inschrift vom Glauben an den Geist, gehört zu den ältesten überlieferten Texten des Zen/Chan – Buddhismus und zeigt sich erfrischend schnörkellos und aktueller denn je. Er wurde verfasst von Meister Kochi Sosan (chin. Seng – Tsan) dem Nachfolger von Eka, der wiederum der Nachfolger von Bodhidharma, dem 1. Patriarchen war, dem indischen Mönch,  der Zen (Chan) nach China brachte.

Inschrift vom Glauben an den Geist

Der Höchste Weg ist gar nicht schwer, vermeide nur aussuchen und auswählen.
Nur ohne Haben – Wollen und Nicht – Haben – Wollen verstehst du wirklich die klare Leere.
Um eine Haaresbreite abgewichen und Himmel und Erde klaffen auseinander.

Willst Du die Wahrheit sehen, lass los von Dafür und Dagegen.
Der Streit zwischen Dafür und Dagegen: genau das ist die Krankheit des Geistes.
Wenn Du den tiefen Sinn nicht erkennst: ist der Frieden des Geistes gestört.

Der Weg – so vollkommen wie der unendliche Raum – ohne Mangel, ohne Überfluss. Durch Annehmen und Ablehnen  wird die Wahrheit nicht erkannt.
Folge nicht der Bestimmung des Seins, noch wohne in der leeren Ablehnung.

Das Eins – Sein trage in der Brust: so erlischt irriges Meinen von selbst.

Wenn Du versuchst, die Bewegung zur Ruhe zu bringen, dann kommt aus der Ruhe wieder Bewegung. Wenn Du im einen Extrem bleibst, oder im anderen, wirst Du das Eine niemals verstehen.
Unveränderlichkeit ist Ziel der Bewegung. Einziges Hindernis ist die Zweiheit:
besser den Samen des Einen zu pflanzen.   Das Eine nicht erlangt – Beides verloren.

Das Sein verleugnend ertrinkst du im Sein, der Leere folgend kehrst du ihr den Rücken.
Viel Reden und Denken führt nicht zur Wirklichkeit.
Brich ab die Rede, verwirf das Denken: Erfolg wird Dir zuteil.

Zum Ursprung kehrend erlangst du das Wesen, den Erscheinungen folgend verfehlst du die Quelle. Ein Augenblick der Einsicht verhindert das Verfehlen der Leere.
Im Angesicht der Leere ist Veränderung nur Schein. Wahrheit zu suchen ist sinnlos,
aber verlerne zu meinen.

Bleib nicht stehen bei der Ansicht der Zweiheit, sorglich vermeide ihr zu folgen.
Erscheinen erst Gut und Schlecht, dann auch Verwirrung und falsches Bewusstsein.
Ursprung der Zwei ist das Eine, doch halte das Eine nicht fest.

Ist der Eine Geist ungeboren,
sind die zehntausend Dinge makellos.
Ohne Fehler, ohne Dinge:
ungeboren, kein Geist.

Fähigkeit zum Einklang zerstört die Begrenzung
und mit den Grenzen versinkt auch die Macht.
Ursprung der Grenzen sind die Grenzen der Macht,
Ursprung der Macht ist die Macht zu begrenzen.

Willst du beide Seiten erkennen:
Grundlage ist die Eine Leere.
Die Eine Leere ist gleichsam beides,
in einem enthält sie die zehntausend Formen.
Nicht unterscheiden: fein und grob,
ist besser als einseitig sein.

 

Der Große Weg ist im Grunde offen, nicht leicht, nicht schwer.
Enger Blickwinkel, Misstrauen, einmal hastig, einmal träge:
Festhalten führt zum Verlust des Gleichgewichts, notwendig treibt es zum Leid!.
Loslassen führt zur Selbstnatur – Substanz vergeht nicht noch bleibt sie erhalten!

Im Einklang mit dem Wesen den Weg bejahen, leichthin wandern und unbetrübt.
Gebundenes Denken verfälscht die Geistkraft, versinkt in Verwirrung unheilvoll.

Unheil und leidende Seele –
wozu ist es gut, dafür, dagegen zu sein?
Wer im Einen Fahrzeug vorankommen will,
verachte nicht die sechs Sinne.
Die sechs Sinne nicht verachten
stellt gleich wieder wahres Bewusstsein her.

Der Weise tut nicht,
der Narr verstrickt sich.
Dharma ist nicht verschieden von Dharma,
Narrenwesen gehört zum Begehren.

Den Geist mit dem Geist erfassen zu wollen, ist das nicht große Verwirrung?
Irrtum gebiert Ruhe und Unruhe, Erleuchtung gebiert weder Liebe noch Hass.
Das Eine zerschneiden in zwei Teile ist Selbstbetrug.

Traum und Täuschung sind wie Blumen am Himmel, wozu sich bemühen, danach zu greifen?
Gewinn, Verlust, richtig, falsch,- weg damit!
Das Auge, wenn es nicht schläft, wird alle Träume von selbst verwerfen.

Zehntausend Dinge sind einem gleich für den Geist, der nicht unterscheidet.
Das Eine führt in die profunde Tiefe. Wer so entschlossen die Fesseln missachtet,
sieht zehntausend Dinge in einem und kehrt wieder zurück zur Selbstnatur.

Mach‘ ein Ende dem Wodurch-Darum;
es ist nicht möglich zu vergleichen.
Die Bewegung beenden: Unbeweglichkeit,
das Ende bewegen: Unendlichkeit.

Die Zwei nicht beendet:
Eins – wie soll es das geben?
Schlussendlich das Endgültige –
keine Bewegung, keine Regel.

Beginnt der Geist Nicht-Unterscheidung,
hat alles irrige Tun ein Ende.
Von Misstrauen völlig gereinigt ist das Urvertrauen in wahrer Harmonie.

Völlig ungehindert, ist nichts mehr zu tun;
unvoreingenommen klar, selbstverwirklicht, mühelose Geistesmacht.
Denken misst und füllt es nicht, Wissen und Fühlen loten es nicht aus.

Unwandelbare Soheit ist die Welt des Dharma,
ohne ein Anderes, ohne ein Selbst.
Musst du spontan antworten,
erwidere und sprich „Nicht-zwei“.
Nicht-zwei – völlig identisch:
nichts, was nicht angenommen wäre.

Die Weisen aller zehn Weltgegenden
betraten sämtlich diesen Pfad.
Der Pfad ist nicht eilig, nicht säumig,
zehntausend Jahre – ein Gedanke.
Ohne da zu sein oder nicht da zu sein,
in allen Richtungen liegt er vor Augen.

 

Winzig klein – wie groß: Grenzen und Gräben zerbrochen, vergessen.
Riesig groß – wie klein: keine feste Schranke.

Sein entspricht dem Nichtsein, Nichtsein dem Sein. Wo es nicht so ist: keinesfalls darf man dem folgen. Eins ist wie alles, alles wie Eins.

Wenn das aber möglich ist, warum dann die Sorge, dass es nicht zu vollenden ist?
Der Wahre Geist ist Nicht-zweiNicht-zwei der Wahre Geist.
Worte gesprochen: den Weg beendet – kein Gehen, kein Kommen mehr.

Gassho!

 

Was soll der ganze Erleuchtungsquatsch?

Was soll der ganze Erleuchtungsquatsch?

„Kann ich etwas tun, um erleuchtet zu werden?“, fragt der Schüler den Meister. „So wenig, wie Du dazu beitragen kannst, dass die Sonne morgens aufgeht.“ „Was nützen denn all die geistigen Übungen?“. „Sicherzugehen, dass Du nicht schläfst, wenn die Sonne aufgeht.“

Donnerndes Schweigen: Erleuchtung hat nichts mit „Dir“ zu tun. Erleuchtung ist unpersönlich. Denn die Person ist nichts mehr als ein Gedankenkonstrukt. Die Trennung zwischen Dir und mir, zwischen mein und Dein ist lediglich eine chronifizierte Idee, die Buddha als Ursache des menschlichen Leidens erkannt hat. Wenn Erleuchtung passiert, passiert sie nicht Dir. Es passiert. Und wenn sie passiert, wird Dir klar, eindringlich wie ein Blitzschlag: ICH hab´ damit nichts zu tun. Der universelle Witz, der zu Erkenntnis wird. Schallendes Gelächter! Die Erkenntnis, die das Herz zu Tränen rührt. Die Wolken brechen auf und zeigen den wolkenlosen, unendlichen Himmel. Ein Durchatmen, die Last fällt von den Schultern. Sei auf der Hut, sei achtsam. Es passiert nicht Dir, aber es überkommt Dich in dramatischer Weise. Das ist das Paradox der Erleuchtung.

 

Shaolin-Temple-Europe: „Laß´Dich nicht von den Dramen Deines Geistes einfangen!“

Shaolin-Temple-Europe: „Laß´Dich nicht von den Dramen Deines Geistes einfangen!“

Ich bin sehr gespannt. Knapp 1 Jahr habe ich darauf gewartet und nun stehe ich vor den Toren des „Shaolin-Temple-Europe“ in Otterberg, Rheinland Pfalz. Am Fuße eines dicht bewaldeten Berges, mit Blick auf eine weite Grünlandschaft liegt der Tempel malerisch in einer Atmosphäre von beeindruckender Natur und Stille. Das einzig zarte Geräusch kommt von den Baumwipfeln, die sich im Wind sachte hin und her wiegen. Der leichten inneren Spannung macht sich jetzt schon eine friedliche Stimmung breit.

Ein junger Mönch erledigt mit den nun immer zahlreicher erscheinenden Teilnehmern des „Klosters auf Zeit“ die notwendigen Formalitäten, wie die Begutachtung der „Sportärztlichen Bescheinigung“ und der unterschriebenen Teilnehmererklärung. Danach geht es durch das große rote Tor auf das Gelände des Klosters. 17 Gäste sind wir in dieser Woche.

Ich beziehe ein 4 – Bettzimmer. Martin kommt aus der Schweiz und ist erfahrener Kampfsportler. Im Etagenbett da drunter liegt Aron. Aron ist der Youngster im Zimmer und als Breakdancer sportlich ebenfalls ganz vorn. Carsten kommt aus Kiel und ist neben mir das zweite Nordlicht in unserer Vierer-Gemeinschaft.  Alle fühlen sich vom Training der Shaolin-Mönche angezogen. Aber nicht nur das: der buddhistische, taoistische und konfuzianische Ansatz sorgt für großes Interesse.

Auch sonst  ist die Gruppe recht bunt gemischt. Nicht nur „Sportskanonen“ sind dabei, auch Männer und Frauen bei denen der athletische Aspekt nicht so sehr im Vordergrund steht.

Dann geht es los: das erste Training wird per Gong „eingeläutet“. Aus irgendwelchen Gründen denke ich mir, dass es heute, am ersten Tag, nicht besonders intensiv zugehen wird. Das erweist sich als Trugschluss. Ich zieh´ mir ein T-Shirt über, meine Qi – Gong Baumwollhose und meine dünn besohlten Hallenschuhe, da ich nicht davon ausgehe, noch laufen gehen zu müssen. Weit gefehlt! Die Ansage lautet: Wir gehen joggen!

Auf dem Gipfel wartet die Erleuchtung

Shi Miao Hai rennt los. Die „Disciples“ (Mönche auf Probe) hinterher und wir Gäste – starr vor Schreck – versuchen den Anschluß zu halten. Es geht die Teerstrasse bergab, links rum und einen Berg hoch. Meine Waden vermelden sofort Irritation. In Schleswig – Holstein sind sie das nicht gewohnt.

Der Berg ist lang…sehr lang! Laufen kann ich ja, rede ich mir ein. Das jahrelange Marathon- und Triathlontraining sollte hier hilfreich sein. Nach einer Weile laufen wir einen Berg wieder runter und werden jetzt instruiert, uns auf dem Teerweg in 2er – Reihen aufzustellen: 10 Liegestütze und den Berg etwa 50 bis 100m hoch sprinten. Das Ganze 10 mal. Neben mir einer der jungen Mönche. Der sprintet los. Ich versuche dran zu bleiben. Wird aber nix.

Anschliessend trifft sich die Gruppe auf dem Trainingsfeld. Weiter geht’s. Dehnen und Qi – Gong zur Erholung. Dann folgen Übungen aus dem Kung – Fu Trainingsprogramm. Ungewohnt, weil fast alles in gehockter Stellung stattfindet. Neben der geschundenen Waden, beschweren sich nun auch die  Oberschenkel: Was zum Teufel geht hier vor?

Nach dem Abendbrot findet noch eine Runde Qi – Gong statt. Ausserdem lernen wir bei einer buddhistischen Zeremonie den Abt des Klosters kennen. Um 22 Uhr ist Schlafenszeit. In unserem 4-Bett-Zimmer wird gemutmaßt, dass dieser erste Tag sicher nur als Testung der Gruppe gedacht ist. Die nächsten Tage werden sicherlich weniger anstrengend. Ja, ja….!

Am nächsten Morgen signalisiert der Körper im Bereich der unteren Extremitäten eine gewisse Panik. Aber ersteinmal Frühstück um 7.00 Uhr. In Stille und Dankbarkeit, gefolgt von einer 40-minütige Meditation in der Buddhahalle, gemeinsam mit den Mönchen des Klosters.

Dann geht’s wieder zum Joggen. Diesmal in Laufschuhen. Und diesmal, nach einem kurzen Aufwärmen, biegen wir sofort links ab, den Anstieg hoch. „Distanziere Dich von Deinem Geist. Der Geist will, dass Du aufhörst. Du bist stärker als Dein Geist!“ Tja…bin ich das? Sind wir das? Letztendlich erreichen alle den Gipfel. Respekt schleicht sich ein, gegenüber denjenigen, die sichtlich schwer zu ackern haben.  Diejenigen, die zuerst oben sind, dürfen zur Belohnung in Hockstellung auf die anderen warten. Nach 30 Minuten sind wir wieder an unserem Trainingsfeld. Ich wechsle noch schnell das Schuhwerk und komme deshalb etwas zu spät, was 70 Liegestütze extra bedeutet. Das wird zwar nicht kontrolliert, aber ich mach` sie trotzdem, aufgeteilt in 3 Häppchen.

Dann wieder ständiges „Stehen und Bewegen in Hocke“. So kommt es mir jedenfalls vor. Der Körper weint. Mittendrin dann eine kurze Unterbrechung. Meister Shi Heng Yi erscheint auf dem Platz und übernimmt das weitere Training. Er scheint die Anstrengungen der Gruppe zu bemerken und meint:“ Ihr müsst das Ganze wie ein Spiel sehen. Lächelt.“ Und wieder:“ Lasst das Drama aus dem Geist.“

Nach dem Training werden wir zur ersten Arbeitsmeditation eingeteilt. Unkraut zupfen und Brombeersträuche aus dem Boden ziehen. Dies sei wohl ein Projekt, das es seit gut 5 Jahren gibt. Na denn. Dann machen wir das eben. Um 13 Uhr Mittagessen, Gegen 15 Uhr  folgt ein Buddhistischer Vortrag vom Abt Shi Heng Zong. Dann wieder Training, Abendessen, Qi Gong, Zeremonie und um 22 Uhr „Zapfenstreich“. So sind auch die nächsten Tage vom Ablauf her strukturiert.

 

Justiere Körper und Geist

Am Mittwoch gibt es vom Shifu (Shi Heng Yi) einige Belehrungen und Anmerkungen zum Training: „Mit Qi Gong und Tai Ji lernst Du Dich kennen. Es ist ein Weg zur Freiheit.“ Und weiter:“ Mit Qi Gong justierst Du Deinen Körper. Du wirst in allem besser: Schwimmen, Radfahren, Golfen…Schlafen, Wach sein, Alt werden.“

Ich ahne was er meint und stimme ihm innerlich zu. Dies spiegelt meine eigene Erfahrung wider. Körperliche Wehwehchen verschwinden, der Bewegungsradius erhöht sich und die Birne wird klar. Der gesunde, also der im Grunde normale Zustand des „Menschseins“, stellt sich (wieder) ein.

Beim Qi Gong und dem Kung Fu Übungen bemerke ich, wie arg eingeschränkt ich bin. Mein Körper hat sich in den letzten Jahren den Bewegungsabläufen angepasst, die ich ihm angeboten habe. Mehr nicht. Will ich aus diesen Mustern raus, wird es problematisch. Den Körper in Balance zu halten fällt mir unendlich schwer. Längere Zeit auf einem Bein zu stehen, geht nicht. Ein einziges Gewackel. Bei koordinativen Bewegungsabläufen zeigt sich noch weit mehr Defizit. Die Verbindung von Hirn und Körper scheint irgendwo unterbrochen zu sein. Von muskulär – neurologischen Abgründen will ich an dieser Stelle gar nicht sprechen.

Aber…und das sind „good news“: Veränderung geschieht bereits beim ersten Üben. Dir wird sofort klar, an welchen Stellschrauben zu drehen ist. Du kannst sofort mit dem „Justieren“ beginnen.

Achtsamkeit 

Wenn ich den Shifu richtig verstanden habe, geht es bei der Arbeit mit dem  Körper darum, ein immer feineres Bewusstsein zu entwickeln. Es kommt immer mehr Justierungsbedarf zum Vorschein. Und das ist selbstverständlich nicht nur auf den Körper beschränkt.

Du wirst zum Chef Deines eigenen Lebens. Du machst Dich immer unabhängiger von äußeren Einflüssen.

Und: es schleicht sich immer mehr Achtsamkeit ein in Deinen Alltag. Achtsamkeit ist das Herz aller Dinge. Hier findest Du auch alle Antworten und alle Entscheidungen, die wichtig sind in Deinem Leben. Das Problem beim Denken (Hirn) ist, dass dort Zweiheit herrscht. Immer „ja“, oder „nein“, immer „soll ich“, oder „soll ich nicht“? Dabei läufst Du Gefahr, Dich zu verlieren. Der Verstand trifft die Entscheidungen immer auf Grund von Konzepten und Gelerntem von Außen. Eltern, Schule, Kultur, Religion etc. Das Herz spricht aus Dir selbst zu Dir. Statt „Herz“ kannst Du auch den Begriff „Intuition“ benutzen.

Hausputz des Geistes

Mal abgesehen davon, dass es im Kloster keine Möglichkeit gibt, sich ins World Wide Web einzuloggen und ein Telefonnetz praktisch nicht vorhanden ist, sorgt der strukturierte Tagesablauf mit seinen Übungen, der Stille, der Meditation und der ständig präsenten „Introperspektive“ für eine Fastenzeit des Geistes. Das ständige Gedankengequassel kommt zur Ruhe. In der Folge wird eine „Aufgeräumtheit“, eine Klarheit (wieder)-entdeckt, deren Auswirkung auf allen Ebenen zu spüren ist. Innerlich, wie körperlich. Ein intensiver „Hausputz“.

 

 

Sowas wie ein Fazit

Zu Beginn der Woche übermittelt der Abt des Klosters allen Teilnehmern ein eindeutiges, klares Statement:“ Wir sind hier ein Buddhistisches Kloster. Wir sind keine Kung – Fu Schule mit Altar – Ecke.“ Diese Aussage holt mich direkt ab und innerlich entlockt sie mir ein freudiges „Gott sei Dank“. In einem buddhistischen Kloster geht es um Buddhas Lehre. Das wollte ich. Ich wollte eine Ahnung bekommen von der Symbiose der Lehre Buddhas und dem Weg der Shaolin Mönche. Und? Mission accomplished? Hab` ich es kapiert? Nicht doch!  Da ist sowas wie ein feiner Geschmack auf der Zunge. Da ist ein Schimmern im Herzen. Ein Echo, ein Widerhall. Der Verstand ist versucht, Worte aus den Ärmeln zu schütteln. Ein sinnloses Unterfangen. Was bleibt, was mir bleibt, ist innerlich zu grinsen und dankbar zu sein für diese Woche mit den Mönchen, den Shifus, dem Abt, der charmanten Küchenfee, den vierbeinigen Buddhas der Gemeinschaft, den Katzen, den Hunden, den beiden Pferden und letztendlich meinen 16 mutigen „Brüdern und Schwestern“ auf Zeit.

Ich werde wiederkommen. Bis dahin will ich täglich üben, um den zerstörten Waden und Oberschenkeln aus dem Wege zu gehen. Allerdings bin ich fest davon überzeugt: der Shifu wird Wege finden mich abermals in die Enge zu treiben, mich an den „Point of no return“ zu lotsen, um mich dann mit einem verschmitzten Grinsen aufzufordern: „Lächle! Es ist alles nur ein Spiel.“

Und zum Schluß dies:

Es ist kurz nach dem Abendbrot. Ein junger Mönch räumt gerade den Essenraum auf. Ich frage ihn, warum er sich für dieses Leben im Kloster entschieden hat. Er antwortet: Menschen sind dazu da, geliebt zu werden. Dinge sind dazu da, benutzt zu werden. Aber so ist es nicht in unserer Welt. Dinge werden geliebt und Menschen benutzt. So möchte ich nicht leben. 

Gassho

Donnerndes Schweigen

 

 

 

 

 

 

 

 

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Achtsamer Alltag: Dem Teufelskreislauf entfliehen!

Achtsamer Alltag: Dem Teufelskreislauf entfliehen!

Um Achtsamkeit zu üben braucht es keinen spirituellen oder esoterischen Hokuspokus. Der Alltag ist Übung genug. Die Herausforderung ist lediglich, aus dem Gewohnheitskarussell auszusteigen und wach und präsent zu werden. Wir sind es gewohnt, unsere Persönlichkeit ständig in Bezug auf Vergangenes oder Zukünftiges zu sehen – überlagert von Befürchtungen, Sorgen, Ängsten, Mutmaßungen und Spekulationen. Hinzu kommt die Unbewusstheit, die unseren Alltag in einem quasi „Autopiloten“ abspulen lässt. Ein gefährlicher Mix, der uns ständig am Leben vorbei leben lässt.

Wie sieht denn unser Alltag aus? Zwei Drittel der Männer (67%) und die Hälfte der Frauen (53%) in Deutschland sind übergewichtig. Ein Viertel der Erwachsenen (23% der Männer und 24% der Frauen) ist stark übergewichtig (adipös). Sind wir uns bewußt darüber was wir essen? Und wieviel? Achten wir darauf? Unachtsamkeit sorgt auf körperlicher Ebene für viel Krankheit und Leid.

Auf der mentalen, psychischen Ebene sieht es ähnlich aus: Die Statistiken der letzten Jahre zu Themen wie Streß, Burn-Out und Depressionen sprechen eine klare Sprache. Die Kurve geht steil nach oben. Angst- und Panikstörungen sind ebenfalls auf dem Vormarsch. Und es ist kein Geheimnis: Wenn der Geist krank ist, folgt auch der Körper. 

Im gesellschaftlichen Miteinander herrschen Oberflächlichkeit und Unachtsamkeit. Das Interesse am Gegenüber scheint gering. Wir haben verlernt, zuzuhören. Wir hören, ja, aber sofort wird beurteilt und am Ende steht dann häufig Ablehnung. Auch hier wird umgehend Bezug auf sich selbst genommen. Passt das, was ich vom Gegenüber höre auch zu meinen Ideen? Nein? Dann will ich es nicht. Und auch hier ist es die fehlende Achtsamkeit. Denn ich achte nicht auf das, was der andere mir sagt, ich achte darauf, was ich hören möchte. Und ich höre nur auf die Konzepte, die ich in der Vergangenheit gelernt habe und von denen ich hoffe, dass sie mir in Zukunft gut tun.

Wir lassen uns von außen erzählen, wie wir zu leben haben. Gesellschaftliche Maßstäbe übernehmen das Zepter. Der Druck wird immer größer. Wir wissen nicht mehr wer wir sind, weil das soziale Umfeld uns einredet, wie wir zu sein haben und wer wir scheinbar sind. Unsere Kultur, unsere Eltern, Lehrer, Religion, Medien, all´ das von uns Externe formt uns zu dem, was wir als „Ich“,meine Persönlichkeit„, bezeichnen.

Wie ein Blatt im Wind werden wir im Leben hin und her gepustet, ohne das wir scheinbar darauf Einfluss nehmen könnten.

Aber: In der Stille erfahren wir alles über uns. Wir sind mehr als das, was wir glauben zu sein.

Wir stecken in einem Teufelskreis, und merken es nicht einmal. Hier helfen Achtsamkeit und Meditation. Im Moment des Innehaltens öffnet sich für einen Augenblick ein Fenster aus dem wir hinausschauen und einen Blick in die ungefärbte Wirklichkeit des Moments werfen können. In diesem Moment gibt es keine Begrenzung. Es herrscht vollkommene Freiheit. Und aus dieser Freiheit heraus können wir ohne Angst und Zweifel mit aller Offenheit dem Leben begegnen. Wir geben uns dem Leben hin, nicht den eingeschränkten Konzepten des Ich-Konstrukts.


Hast Du Lust auf eine Übung?
 Im Grunde sind es drei kleine Lektionen! Wenn Du heute mit jemanden sprichst, höre ihm oder ihr unvoreingenommen zu. Es muss kein tiefsinniges Gespräch sein. Achte auf Folgendes:

1. Bin ich in der Lage durchgängig seinen, oder ihren Worten zu folgen, oder schweife ich in meine eigene Gedankenwelt ab?

2. In dem Moment, in dem ich eine Meinung höre, die nicht meine ist: beurteile ich das Gehörte sofort? Und ändert sich meine Haltung gegenüber meinem Gesprächspartner?

3. Ertappe ich mich im Laufe des Zuhörens dabei, mein eigenes Erleben, meine Meinung und meine eigenen Erfahrungen unbedingt präsentieren zu müssen, auch auf die Gefahr hin, meinem Gegenüber ins Wort zu fallen?


Auch bei dieser Übung geht es 
nicht darum, mögliche Defizite aufzuzeigen. Es geht um Dein Potential, welches Du erst dann (wieder)-entdecken wirst, wenn Du die unsichtbaren Barrieren in Deinem Gewohnheits/Alltagsgeist entdeckt hast.